Miniserie Ausmisten [2] Warum ich einige Dinge nicht loslassen möchte

In meinem ersten Beitrag der Miniserie Ausmisten habe ich ganz privat über meinen Drang nach Ordnung und freiem Platz geschrieben. Julia hatte in einem Kommentar sehr passend beschrieben „dass eine äußere Unordnung bei mir zu großer Unzufriedenheit und auch innerer Unruhe führt“. Ich fühlte mich unruhig und rastlos und wollte dem durch äußere Ordnung entgegenwirken und ich muss sagen, das klappt ganz gut (: Natürlich lösen sich die Probleme dadurch nicht in Luft auf, aber es hilft sich zu sortieren, klare Gedanken zu fassen und auch das Ziel wiederzufinden. Die Gründe meines Umräum- Aufräum – und Aussortierwahns habe ich damit also gefunden:

Heute möchte ich darüber sprechen, wieso es mir bei vielen Dingen schwer viel, sie loszulassen, obwohl sie mich nicht glücklich machten.

Es fanden sich Unmengen an Sachen in den Regalen, die herausgerissen und auf dem Wohnzimmerboden verteilt erst ihre gesamte Macht entfalteten und mich sprachlos machten. Was sich doch alles angesammelt hatte. Ich bin allgemein ein großer Fan vom Aussortieren und hatte das auch regelmäßig getan, aber irgendwie sind viele Dinge dabei doch immer wieder geblieben. Vieles was mich nicht glücklich machte war noch da und sollte mich jetzt verlassen.

Ich habe mir Gedanken gemacht und mir überlegt, warum es mir so schwer fällt diese Gegenstände loszulassen und wie ich es mir leichte machen könnte.

bWohnung08

Grund 1: Es ist einfach nützlich und notwendig

Diese Gegenstände sind ganz klar geblieben, da gab es eigentlich keine Frage, Briefumschläge, Geschenkpapier, auf Vorrat gekaufte Shampoos oder Kosmetikprodukte. Bei diesen Dingen wäre es einfach blöd sie wegzugeben, da ich sie ja doch bald wieder brauchen und dann nachkaufen würde. Das muss ja nicht sein. Was ich allerdings beschlossen habe, ist diese Vorratshaltung aufzugeben. Nur weil das Shampoo im Sale 30 Cent günstiger ist, muss ich ja nicht gleich 2 Flaschen mitnehmen. Klar kann man so den ein oder anderen Euro sparen, aber wenn es mich dann hinterher unglücklich macht – weil es in dieser ominösen Kiste verschwunden ist, oder ich bis dahin viel lieber ein anderes Shampoo gehabt hätte – dann hat es keinen Mehrwert für mich. Außer bei Zahnpasta. Denn Zahnpasta ist viel schneller leer als alles andere. Da kann man ruhig 2 Tuben kaufen.

Grund 2: Ich verbinde Erinnerungen mit dem Gegenstand

Tja, hier wird es schwieriger und ich konnte bisher noch keinen guten Weg finden. Das einzige, was sich bisher bewährt hat, ist die Dinge erstmal aus dem Blickfeld zu bringen und darauf zu warten, dass das Herz sie freigibt. Wenn ich sie mir ein halbes Jahr später nochmal ansehe wird mir klar, dass ich es nicht vermisst habe und es daher weg kann. Die Fotos aus dem Bilderrahmen habe ich meißt auch digital noch, und falls nicht, so kann ich sie in ein Fotoalbum kleben, was weitaus weniger Platz wegnimmt. Auch einige Geschenke, die ich einst sehr mochte, fallen unter diese Kategorie.

Grund 3: Ich habe es geschenkt bekommen

Geschenke. Ja, es ist nicht immer leicht, jemandem ein passendes Geschenk zu machen. Ich bin ein großer Fan von Wunschlisten, damit gewährleistet wird, dass ich nur bekomme, was ich auch gebrauchen kann. Das halte ich auch schon recht lange so. Dennoch habe ich ein paar Teile, die ich irgendwann mal bekommen habe, die mir aber so gar nicht entsprechen. Da wäre die berühmte Deko, DAS Geschenk wenn einem nichts besseres einfällt. Ich bin aber nicht so der Dekomensch und kann damit meisst wenig anfangen. Hier kann ich eigentlich nur sagen: Weg damit! Derjenige, der es verschenkt hat, wird das schon verstehen und beim nächsten mal nachfragen, was ich mir wünsche. Oder ich sage gleich, dass mir das nicht gefällt und ich es leider nicht gebrauchen kann und frage den Schenkenden, ob er es noch umtauschen könnte.

Eine andere Geschichte gab es letzte Weihnachten. Meine Schwestern schenkten mir ein Nudelsieb, ich war sehr überrascht. Anscheinend hatte ich im Laufe des vergangenen Jahres mal gesagt, dass ich gern eins hätte. Ja, dachte ich, das ist wirklich was, was ich gebrauchen kann! Als ich dann wieder in der eigenen Wohnung war, sah ich, dass ich ja schon ein praktisches sehr großes Sieb aus Edelstahl besitze, welches bisher kaum genutzt wurde. Was mache ich nun mit dem neuen Nudelsieb? Ich weiß noch nicht, es steht auf dem Schrank. Vielleicht kann ja eine meiner Schwestern das Sieb irgendwann mal brauchen. Ich sollte sie zeitnah danach fragen.

Grund 4: Ich weiß noch, was das Teil mal gekostet hat

Weg damit! Ich muss es ja nicht zwingend wegwerfen, sondern kann es verschenken oder verkaufen, so würde ich sogar noch ein wenig Geld verdienen. Und falls ich glaube, dass das sowieso keiner mehr haben will, so ist das doch ein Zeichen dafür, dass seine Zeit gekommen ist und es vielleicht einmal viel Geld gekostet hat, aber mittlerweile einfach ausgedient hat. Bei mir waren viele Zeichensachen dabei, die recht teuer waren und daher immernoch im Schrank lagen.

Grund 5: Irgendwann werde ich es schon nochmal brauchen

Dinge, die ich bestimmt irgendwann nochmal gebrauchen werde… Jede Menge Abtönfarben fallen mir dazu gerade ganz spontan ein. Ich habe diese irgendwann mal von meinem Papa bekommen und sie sehr lange gehortet und auch gaaanz selten mal genutzt. Ebenso einige meiner Zeichensachen. Ich musste mich von der Vorstellung lösen, dass ich sie bestimmt nochmal brauchen werde. Ja, das mag sein. Vielleicht werde ich irgendwann mal wieder ganz zwingend Pastell malen wollen. Aber da ich damals nicht wirklich Spaß daran hatte und sowieso nur 2 Bilder damit gemalt habe, ist das doch unwahrscheinlich. Und falls doch: Na, dann kaufe ich mir eben neue Kreiden! Bei vielen Dingen in dieser Kategorie war es eher unwahrscheinlich, dass ich sie nochmal brauche und tief im Innern wusste ich das. Oder aber es wäre super leicht sie nochmal zu beschaffen und würde mich auch finanziell nicht in den Ruin treiben. Dann auch: Weg damit! Oh, ebenfalls ein Klassiker bei mir: Alte Wissenschaftszeitschriften, die ich irgendwann endlich mal lesen möchte – kann ich sie mir dann nicht auch aus der Bibliothek oder Bücherei leihen?

Grund 6: Aber, ich habe das ja noch nie genutzt! Fehlkäufe.

Das schlechte Gewissen wegen ungenutzer Gegenstände. Hier hilft nur loszulassen und daraus zu lernen. Warum habe ich es gekauft? Warum habe ich es hinterher doch nicht genutzt? Beim nächsten Mal werde ich diesen Fehlkauf dann hoffentlich vermeiden können.


Es gibt natürlich viele Gegenstände, bei denen es mir aus mehreren Gründen schwer fiel, sie loszulassen, bei denen ich mich aber dennoch dazu entschlossen habe. Dann gibt es aber auch noch einige Dinge, die ich trotzdem behalten habe, obwohl ich sie nicht oder nur sehr selten gebrauche, manchmal einfach weil sie mich glücklich machen oder auch aus einem der oben genannten Gründe.

Ihr solltet euch beim Ausmisten nicht allzusehr unter Druck setzen, wenn ihr euch nicht sich seid, dann packt die Dinge erstmal in eine Kiste in den Keller und wartet 3 Wochen. Wenn ihr sie euch dann nochmal anschaut, dann werden sich eure Gefühle bei ihrem Anblick wahrscheinlich schon gewandelt haben und es wird euch leichter fallen, sie loszulassen.

 bWohnung11

5 Kommentare

  1. Wie viele Kugelschreiber braucht der Mensch eigentlich in seinem Leben wirklich auf? Hast du da auch so eine Sammlung? Dabei schreibe ich gar nicht so gerne mit Kugelschreiber. Ich glaube, die verschwinden die Tage bei mir.

    Die Sache mit den Malsachen: da stecke ich ein bisschen in einer Zwickmühle. Ich würde so gerne mal (wieder) malen. Zeit und Muse dafür aufbringen. Das letzte Mal war dies im Schulkunstunterricht und ich habe trotzdem einige Blöcke und Farben dar. Das gleiche gilt für Bastelsachen. Ich war ein halbes Jahr als Au-Pair in Irland und habe so viele davon vermisst. Wie gern hätte ich es dort genutzt. Aber es war dann doch recht teuer und durch diese (lächerliche) Verlusterfahrung kann ich nun einfach nicht meine Kisten/Schubladen hergeben. Total doof. Ein anderer Punkt ist, dass ich im pädagogischen Bereich ab Sommer arbeiten werde und da braucht man so Dinge ja ständig. Also haben meine Sachen nun eine Schonfrist bis Ende 2017 bekommen. Vielleicht habe ich im Berufsalltag wirklich mehr Zeit und Muse für das oder möchte Dinge für die Arbeit zu Hause vorbereiten oder möchte die Einrichtung mit Material beglücken. Mal sehen.

    Ein Tipp mit den Erinnerungen: Foto machen und das Ding loswerden. Foto in einen Ordner einsortieren (am pc) oder gar ins Tagebuch kleben. Basta. Das tut wirklich gut.

    Liebe Grüße,
    Maria

    • Liebe Maria,
      vielen Dank für deine lieben Kommentare. Ich sollte lernen, aber stattdessen mache ich seit gestern nichts mehr und die Prüfung ist am Dienstag und ich kann eigentlihc noch nichts – grrrr. Irgendwie bin ich grad sehr sehr schlecht darin, mich selbst zu motivieren :( Und das obwohl ich weiß, dass es nicht besser werden wird.
      Ja Kugelschreiber bekommt man an jeder Ecke als Werbegeschenke hinterhergeschmissen, ich nehme aber keine mehr mit, ich habe wirklich genug (:
      Alles Liebe, Freja.

  2. Schön zusammengefasst. Während dem Lesen habe ich mich hier in meinem Nähzimmer/Büro umgesehen und Gott sei Dank nichtmehr viel gefunden von dem ich mich noc h trennen könnte.
    Aber was in der Wohnung bleiben darf und was weg muss/darf ist zwischen mir und meinem Freund immer ein großer Streitpunkt. Ich als hefitger Verfechter von „Wenn ich es seit 1/2 Jahr nicht gebraucht habe, kann es weg“ und er „aber das erinnert mich doch an XY“ – irgendwo muss man da eben einen Mittelweg finden :-)

  3. Das hast du übersichtlich und interessant aufgelistet, und teilweise finde ich mich darin wieder.
    Ich bin zwar schon ein Dekomensch, habe aber eigentlich dann auch eine Vorstellung, was ich möchte. Und oft bekommt man dann Zeug geschenkt, was eben nicht passt. Mittlerweile kann ich dieses Zeug dann gut ausmisten. Je nach Zustand wegwerfen, spenden oder mit auf den nächsten Flohmarkt nehmen, vielleicht freut sich ja noch jemand drüber.
    Was ich ganz schlecht aussortieren kann: Bücher. Ich habe ein ganzes Fach voll mit Duden, Wörterbüchern etc. Dabei googlet man heute doch eh alles! Und ein neues kostet auch nicht die Welt.
    Fotoalben dagegen sehe ich mit anderen Augen, nämlich als letzte Rettung falls mal die Elektronik streikt. Außerdem versauern die Bilder auf der Festb´platte nur, die Alben dagegen schaue ich mir immer mal wieder an.

    Deine Gedankengänge gefallen mir jedenfalls, ich möchte gerne demnächst Frühjahrsputz machen und in dem Zug nochmal über alles nachdenken, was mir in die Hände fällt.

  4. Wenn ich so über diese Gründe nachdenke, fällt mir auch einiges dazu ein.
    Grund No.1, ja, ich kaufe auch manchmal auf Vorrat! ;) Mein Deo zum Beispiel, wenn das gerade mal wieder 80 Cent günstiger ist als sonst, dann wandert auch schon mal ein Sixpack davon in meinen Schrank. Aber eben in den Schrank, und das passt da auch rein, und aufbrauchen tue ich ich es auf jeden Fall! Waschmittel etwa würde ich nicht in rauen Mengen kaufen, einfach aus dem Grund dass ich nicht wüsste wo ich es hinstellen sollte. Der dafür vorgesehene Platz ist eben nur für zwei Flaschen ausgelegt!
    Zahnpaste ist übrigens so schnell leer, weil in den Tuben mittlerweile mehr Luft als Zahnpasta ist, Mogelpackungen!

    Grund No.2 gibt es bei mir häufig, diese Sachen bleiben auch einfach, da kann ich nicht anders! Ende des Diskussion!

    Grund No.3 gibt es bei mir nicht mehr, weil ich klare Ansagen mache was man mir schenken soll und was auf allerkeinsten Fall! Ich sage den Leuten immer, wenn ihnen nichts passendes einfällt, dann sollen sie was leckeres zu futtern oder Bier mitbringen ;)

    Grund No.4 fällt aus, denn wenn Sachen teuer sind, dann lege ich sie mir auch nur zu, wenn sie unbedingt nötig sind! Zeug das fast nur herum steht und einstaubt brauche ich einfach nicht!

    Grund No.5 ist nur dann gültig, wenn ich es in irgendeines meiner vielen Sortimentskästchen wegpacken kann, es faktisch also einen weiteren Platzbedarf von Null hat! Ist das nicht der Fall, dann überlege ich kurz ob ich es in naher Zukunft irgendwo verwenden kann, falls nicht fliegt es raus! Basta!

    Grund No.6 gibt es hin und wieder, dann sehe ich zu dass ich die Sachen schnellstmöglich an jemand anderen weiter gebe, der sie besser gebrauchen kann, oder gegebenenfalls und sofern das möglich ist einfach zurück gebe. Klassische Fehlkäufe mache ich mittlerweile eigentlich nur noch bei Essen, wenn ich mal wieder etwas gekauft habe dass mir dann aber doch nicht schmeckt. Aber da findet sich immer jemand, der es doch mag.

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